Björn Hagen (Hrsg.)
Scham ist eine zutiefst persönliche Erfahrung – und zugleich ein gesellschaftliches Phänomen, das den Alltag in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien prägt.
Sie betrifft uns alle. Umso wichtiger ist es, ihr mit Aufmerksamkeit, Sensibilität und Respekt zu begegnen.
Wer Scham ernst nimmt, schützt nicht nur Gefühle, sondern auch die Würde. Und damit berühren wir den Kern dessen, was Pädagogik und Hilfen zur Erziehung leisten sollen: Menschen in ihrer Ganzheit zu achten, ihnen Selbstvertrauen zurückzugeben und Räume zu eröffnen, in denen die Würde nicht nur geschützt, sondern gelebt wird.
Scham gehört zum Menschsein, unabhängig von Alter, Geschlecht, Kontext oder von der Kultur. Gerade weil sie so alltäglich ist, bleibt sie oft unsichtbar – bis sie sich schneidend
und verletzend bemerkbar macht. Ihr Spektrum reicht von flüchtiger Verlegenheit bis zu tiefgreifenden Erschütterungen, in denen Menschen das Gefühl entwickeln »Ich bin ein Nichts.« Die vorliegende Monografie geht über diese individuelle Erfahrung hinaus: Sie will die Bedeutung von Scham im Kontext von Hilfen zu Erziehung und Schule sichtbar machen – einem Feld, in dem Scham und Menschenwürde bislang selten explizit thematisiert werden. Dabei zeigt sich: Wer Scham versteht, versteht auch mehr über das Fundament menschlicher Würde.