Björn Hagen (Hrsg.)
Ein 16-jähriger Mensch schreibt:
»Das Gefühl, sich zu verlieren, ist äußerst betäubend. Man erkennt sich selbst nicht wieder, schwimmt in einem Meer aus Vorwürfen und kaltem Schrecken. Dir wurde was geraubt, das merkst du. Eine dunkle Leere erfüllt dich, du spürst die Übelkeit die langsam in dir hochsteigt, wenn du es wagst auch nur ganz leicht daran zu denken. Du denkst, du bist schuld. Er weiß, dass du es denkst und benutzt es als Mittel, um dich zum Schweigen zu bringen«.
In dieser Ausgabe der Theorie und Praxis der Jugendhilfe wird beschrieben, wie sich die enge Verzahnung von Therapie, Gruppe und Schule in der konzeptionellen Arbeit mit sexuell
grenzverletzenden und missbrauchenden Jugendlichen als die drei Säulen der Behandlung bewährt hat. Die jungen Menschen haben sich durch die Übergriffe stark verändert. Sie zeigen
oft deutliche psychiatrische Auffälligkeiten wie zum Beispiel tiefgreifende Entwicklungsstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen oder delinquentes Verhalten. Wie in dem Zitat erwähnt, stehen oftmals eigene Traumatisierungen durch selbst erlebte Gewalt und/oder Vernachlässigung im Vordergrund. Hinzu kommen Suchtmittelabhängigkeiten, digitale Süchte oder Pornografiesucht. Durch die Beleuchtung des Aspektes der Grenzverletzungen unter jungen Menschen im Netz zeigen sich die verfrühten Zugänge zu Internetpornografie,
Sexting und Erfahrungen mit Grenzverletzungen unter Heranwachsenden.
Die Interviews in der vorliegenden Theorie und Praxis der Jugendhilfe greifen offene Fragen zum Thema auf. Deutlich wird dabei ebenso die Bedeutung der transgenerationalen Weitergabe von sexuell übergriffigem Verhalten wie die medialen Einflüsse, da sich viele junge Menschen auf der Suche nach der eigenen Sexualität in den Medien orientieren.